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„Mich kotzt es an“ – Bürgergeld-Empfängerin Pamela spricht über Machtlosigkeit, Kürzungen und den Kampf ums Überleben
Rostock – Es sind Sätze, die hängen bleiben. „Mich kotzt es an“, sagt Pamela, 59 Jahre alt, während sie in ihrer kleinen Küche sitzt und mit leerem Blick auf den Küchentisch starrt. Die Kamera hält drauf, der Ton läuft weiter. Es ist kein gespielter Frust, keine Übertreibung für die Quote. Es ist die schonungslose Realität einer Frau, die nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll.
Pamela ist eine der Protagonistinnen der RTLZWEI-Dokureihe „Hartz und herzlich – Tag für Tag Rostock“. Seit drei Jahren begleitet das Fernsehteam ihr Leben im Stadtteil Groß Klein, einem Viertel, das für viele Zuschauer längst zum Synonym für den täglichen Kampf am Existenzminimum geworden ist. Zwischen grauen Plattenbauten, engen Wohnungen und viel zu hohen Rechnungen versucht Pamela, irgendwie über die Runden zu kommen.

Der tägliche Überlebenskampf
Seit acht Monaten bezieht sie Bürgergeld. Ihre Ein-Zimmer-Wohnung misst gerade einmal 36 Quadratmeter. Die Möbel sind gebraucht, vieles stammt von Nachbarn oder vom Sperrmüll. „Ich hebe alles auf, falls mal was kaputtgeht“, sagt sie. Besonders stolz ist sie auf ihre Kaffeemaschine – oder besser gesagt: auf ihre fünf Kaffeemaschinen. „Ich hab sie alle auf Reserve“, erzählt sie mit einem müden Lächeln. „Wenn eine kaputtgeht, kann ich ja nicht einfach los und mir eine neue kaufen.“
Doch die letzten Monate haben auch bei ihr Spuren hinterlassen. Durch Kürzungen des Jobcenters hat sie weniger Geld zur Verfügung, und die Suche nach einem Putzjob blieb bislang erfolglos. „Ich hab mich beworben, aber keiner meldet sich“, sagt sie. „Man gibt sich Mühe, aber man bekommt keine Chance.“ Es sind Worte, die viele Empfängerinnen und Empfänger von Bürgergeld aus ganz Deutschland nachvollziehen können.

Wenn Wut und Resignation zusammenkommen
Pamela ist nicht wütend auf „den Staat“, sondern auf das Gefühl, nicht gesehen zu werden. „Man wird behandelt, als wäre man selber schuld an allem“, sagt sie. Ihre Stimme kippt. „Ich will ja was tun. Aber wie denn, wenn keiner einen nimmt?“ Der Frust sitzt tief – und er richtet sich gegen ein System, das verspricht, zu helfen, und dabei immer mehr Menschen das Gefühl gibt, im Stich gelassen zu werden.
In sozialen Medien verbreitete sich das Zitat „Mich kotzt es an“ innerhalb weniger Stunden. Unter den Kommentaren: Wut, Verständnis, Spott, aber auch viel Mitgefühl. Einige Zuschauer schreiben, sie könnten die Situation nur zu gut nachempfinden. Andere fordern Reformen im Sozialsystem, mehr Respekt und weniger Bürokratie.
Pamela selbst bekommt von all dem wenig mit. Sie hat weder Internet noch Smartphone, nutzt nur gelegentlich das Telefon im Treppenhaus. „Das ist alles zu teuer“, sagt sie.

Zwischen Realität und öffentlicher Wahrnehmung
Die Macher von „Hartz und herzlich“ zeigen seit Jahren, was viele lieber ausblenden: den Alltag jener, die am Rande der Gesellschaft leben. In Rostock, Mannheim oder Duisburg. Für Pamela ist die Teilnahme an der Doku kein Ruhmesblatt, sondern ein Ventil. „Wenn die Leute sehen, wie wir wirklich leben, vielleicht denken sie dann mal nach“, sagt sie.
Die Serie polarisiert. Kritiker werfen dem Format vor, Armut zur Unterhaltung zu machen. Befürworter halten dagegen: Nur wer hinsieht, kann verstehen. In den Kommentaren zu den aktuellen Folgen wiederholt sich ein Muster: „Wie kann man so leben?“ – „Weil man keine andere Wahl hat“, lautet die bittere Antwort vieler Beteiligter.

Der Teufelskreis der Armut
Pamela will raus aus dem Kreislauf aus Schulden, Antragstellungen und Kontrollen. Doch der Weg ist steinig. „Ich hab keine Familie mehr, keine Kinder, niemanden“, sagt sie leise. Sie lebt allein, bezieht Bürgergeld, bekommt hin und wieder Unterstützung von Nachbarn. „Die Leute denken, man legt die Füße hoch und kassiert“, sagt sie. „Aber keiner sieht, was das mit einem macht.“
Laut einer aktuellen Studie leben in Deutschland über fünf Millionen Menschen von Bürgergeld oder anderen Grundsicherungsleistungen. Besonders betroffen: Alleinstehende über 50, oft gesundheitlich angeschlagen und mit geringen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Viele berichten von psychischem Druck, Scham und Isolation. Pamela ist eines dieser Gesichter – eines von vielen.

Hoffnung trotz allem
Trotz aller Rückschläge gibt Pamela nicht auf. Sie hat sich fest vorgenommen, ihre Wohnung weiter zu verschönern – Stück für Stück, so wie sie es kann. „Ich mach mir’s gemütlich, auch wenn’s klein ist“, sagt sie. Auf der Fensterbank stehen Pflanzen, die sie von einer Nachbarin geschenkt bekommen hat. Ein kleines Zeichen dafür, dass auch in schwierigen Zeiten Menschlichkeit möglich bleibt.
Die Sozialreportage zeigt, dass hinter den Akten, Bescheiden und Paragraphen echte Schicksale stehen. Menschen, die kämpfen – gegen Armut, gegen Vorurteile, gegen das Gefühl, vergessen zu sein.

Ein Spiegel der Gesellschaft
Pamela steht exemplarisch für viele, die in Deutschland jeden Monat aufs Neue rechnen müssen, wie weit das Geld noch reicht. Ihr Satz „Mich kotzt es an“ ist kein Angriff – es ist ein Hilferuf. Einer, der zeigt, wie tief die Enttäuschung sitzt, wenn Unterstützung zur Belastung wird.
Die Politik diskutiert über Bürgergeld-Reformen, Sanktionen, Arbeitsanreize. Doch in Wohnungen wie der von Pamela geht es längst nicht mehr um Paragraphen, sondern ums Überleben. Und vielleicht braucht es genau diese Stimmen, um die Realität hinter den Zahlen zu verstehen.
Denn solange Menschen wie Pamela sagen müssen, dass sie „nicht mehr wissen, wie es weitergeht“, ist klar: Es geht nicht nur um Geld – es geht um Würde.
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Wandern mit Kindern: Diese Risiken werden oft unterschätzt

Wandern mit Kindern: Diese Risiken werden oft unterschätzt
Eine Wanderung in den Bergen oder durch sommerliche Wälder gehört für viele Familien zu den schönsten gemeinsamen Aktivitäten. Doch gerade bei Kindern und Jugendlichen kann sich der Gesundheitszustand auf Touren schneller verändern, als Eltern es erwarten. Wer die wichtigsten Risikofaktoren kennt und rechtzeitig reagiert, kann die meisten Notfälle vermeiden.

Warum Kinder und Jugendliche beim Wandern besonders gefährdet sind
Der kindliche Organismus reguliert Temperatur, Flüssigkeitshaushalt und Kreislauf anders als der eines Erwachsenen. Kinder schwitzen weniger effektiv, verlieren dadurch schneller die Fähigkeit, Körperwärme abzugeben, und bemerken Erschöpfung oder Durst häufig erst spät. Jugendliche wiederum überschätzen ihre eigene Leistungsfähigkeit gerade in der Pubertät oft – ein Faktor, der bei längeren oder anspruchsvolleren Touren zum Risiko werden kann.

Die häufigsten Gefahren auf Wandertouren
- Hitzschlag und Überhitzung: Besonders bei direkter Sonneneinstrahlung ohne ausreichend Schatten oder Pausen.
- Dehydrierung: Kinder trinken von sich aus oft zu wenig, gerade wenn sie im Spiel oder Wanderfluss abgelenkt sind.
- Unterzuckerung: Lange Anstiege ohne regelmäßige, energiereiche Pausen können besonders bei Kindern schnell zu Kreislaufproblemen führen.
- Plötzliche Wetterumschwünge: Gewitter, Temperaturstürze oder Nebel entstehen im Gebirge oft innerhalb kurzer Zeit.
- Absturz- und Stolpergefahr: Steiniges, unwegsames oder nasses Gelände wird von Kindern häufig unterschätzt.
- Unterkühlung: Auch im Sommer kann es in höheren Lagen oder bei Regen schnell kühl werden.

Warnsignale erkennen: Wann Eltern aufmerksam werden sollten
Der kindliche Körper zeigt Warnsignale oft subtiler als der eines Erwachsenen. Eltern und Begleitpersonen sollten besonders auf folgende Anzeichen achten:
- Ungewöhnliche Blässe oder gerötetes, überhitztes Gesicht
- Klagen über Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit
- Auffällige Erschöpfung, Wortkargheit oder Antriebslosigkeit
- Zittern, kalter Schweiß oder unsicherer Gang
- Nachlassende Reaktionsfähigkeit auf Ansprache
Wichtig: Diese Symptome sollten nie mit dem Argument „wir sind gleich da“ ignoriert werden – gerade in unwegsamem Gelände kann sich ein Zustand innerhalb weniger Minuten deutlich verschlechtern.

Richtig handeln im Notfall
- Sofort anhalten und die Situation einschätzen – bei ersten Anzeichen von Erschöpfung, Schwindel oder Überhitzung nicht weitergehen.
- Schatten und kühlere Umgebung aufsuchen, wenn möglich, und beengende Kleidung öffnen.
- Kleine Mengen Wasser anbieten, jedoch nicht hastig große Mengen auf einmal, um den Kreislauf nicht zusätzlich zu belasten.
- Notruf wählen (112), sobald sich der Zustand nicht rasch bessert oder Bewusstseinseintrübung auftritt – in Deutschland ist die Nummer auch in vielen abgelegenen Bergregionen erreichbar.
- Standort so genau wie möglich angeben: markante Wegpunkte, GPS-Koordinaten über das Smartphone oder Notfall-Apps wie die „SOS-EU-ALP“-App erleichtern die Bergrettung erheblich.
- Bei Bewusstlosigkeit oder fehlender Atmung sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bis Rettungskräfte eintreffen.

Vorbeugung: So wird die Familienwanderung sicherer
- Route dem Leistungsniveau des jüngsten Familienmitglieds anpassen, nicht dem der Erwachsenen.
- Ausreichend Wasser und energiereiche Snacks mitführen und regelmäßig aktiv zu Trinkpausen auffordern, statt auf Durstgefühl zu warten.
- Wettervorhersage vor Tourbeginn prüfen und bei Gewitterwarnung die Route verschieben oder verkürzen.
- Sonnenschutz nicht vergessen: Kopfbedeckung, Sonnencreme und leichte, atmungsaktive Kleidung.
- Feste, passende Schuhe statt offener Sandalen oder ungeeigneten Freizeitschuhen.
- Handy mit vollem Akku und Offline-Kartenmaterial für Bereiche ohne Netzempfang mitführen.
- Realistische Pausenplanung: Lieber häufiger kurz pausieren als seltene, lange Rastzeiten einplanen.

Reiseapotheke für Wandertouren
Eine kleine Grundausstattung gehört in jeden Wanderrucksack: Pflaster und Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, eine Rettungsdecke, ausreichend Wasser sowie bei bekannten Vorerkrankungen die entsprechenden Notfallmedikamente. Bei Touren in entlegenen Regionen empfiehlt sich zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung mit Bergungs- und Rettungskostenschutz.

Fazit: Aufmerksamkeit ist der beste Schutz
Die überwiegende Mehrheit der Familienwanderungen verläuft ohne Zwischenfälle. Dennoch zeigen wiederkehrende Rettungseinsätze in Wander- und Bergregionen, wie schnell sich der Zustand von Kindern verändern kann. Wer Warnsignale ernst nimmt, die Tour realistisch plant und im Ernstfall besonnen reagiert, schützt die ganze Familie – und kann den gemeinsamen Ausflug in die Natur unbeschwerter genießen.
Themen: Wandern mit Kindern, Familienwanderung, Erste Hilfe, Bergrettung, Hitzschlag
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