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„Ich will, dass alle wissen, wer André war“ – Die Mutter des jüngsten Opfers von Magdeburg spricht
„Ich will, dass alle wissen, wer André war“ – Die Mutter des jüngsten Opfers von Magdeburg spricht
Es ist der schwerste Gang ihres Lebens, und doch weiß Desiree G., dass sie ihn gehen muss. Die Mutter des neunjährigen André G., der am 20. Dezember 2024 beim Attentat auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt getötet wurde, wird an diesem Donnerstag vor Gericht aussagen. Es ist das erste Mal seit dem Tod ihres Sohnes, dass sie dem Mann gegenüberstehen muss, der ihm – und fünf weiteren Menschen – das Leben nahm: Taleb al-Abdulmohsen, 51 Jahre alt, jener Amokfahrer, der mit einem gemieteten 340-PS-BMW in die Menschenmenge raste und über 300 Personen verletzte.
Desiree G. hatte sich geschworen, niemals auch nur denselben Raum zu betreten, in dem sich dieser Mann befindet. Zu schmerzhaft, zu unerträglich schien der Gedanke. Doch nun wird sie diesen Schwur brechen. Nicht, weil sie ihre Angst verloren hätte, sondern weil sie spürt, dass ihre Stimme gebraucht wird. Ihr Sohn soll nicht in einer anonymen Akte verschwinden. André war ein Kind – lebendig, voller Vorfreude auf Weihnachten, geliebt von seiner Familie. Und genau das will sie erzählen.

Ein Wintertag, der nie enden sollte
Jener 20. Dezember hatte eigentlich ein Tag voller Freude werden sollen. André war mit seiner Mutter und seinem Bruder Jason nach Magdeburg gefahren, um den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Sein Vater, Marko G., war mit den anderen Kindern in Bayern geblieben und erinnert sich gut an die Nachrichten, die ihn aus der Ferne erreichten. „Er hatte sich so auf dieses Wochenende gefreut“, sagt er. Für die Patchwork-Familie war es ein seltenes gemeinsames Adventserlebnis.
Doch kurz nach ihrer Ankunft verwandelte sich das festliche Lichtermeer in einen Ort des Schreckens. Ohne Vorwarnung raste al-Abdulmohsen in die Menschenmenge. Was für Besucher Sekunden dauerte, veränderte für mehrere Familien alles – unwiderruflich.

Ein Abschied, der keiner sein dürfte
Im Januar wurde André beigesetzt. Seine Mutter trug die Urne ihres Sohnes in ihren Armen, als wolle sie ihn vor der Welt beschützen. Ihr Lebensgefährte stand ihr bei, doch niemand konnte den Schmerz lindern. Auch Marko G., Andrés Vater, nahm als Nebenkläger am Prozess teil und wird auch während der Aussage seiner früheren Partnerin anwesend sein.
Zunächst hatte Desiree G. erklärt, dass sie nicht die Kraft habe, dem Angeklagten zu begegnen. Doch dieser Entschluss änderte sich, als sie erfuhr, wie belanglos ihre schriftliche Aussage im umfangreichen Prozessdokument behandelt worden wäre. „Mein Sohn darf nicht nur eine Nummer in einer Akte sein“, sagte sie. „Alle sollen wissen, wer André war – und was uns genommen wurde.“

Ein Prozess, der keine Antworten gibt
Die Hoffnung der Eltern war es, im Prozess Aufklärung zu finden. Doch stattdessen begegneten sie einem Angeklagten, der durch wirre Beschuldigungen auffiel, sich von jeglicher Verantwortung lossagte und kaum ein Wort des Mitgefühls äußerte.
Eine der Ärztinnen, die André am Tag des Attentats behandelte, schilderte unter Tränen, wie schwer es für das medizinische Personal gewesen sei. „Wir konnten ihn nicht einfach für tot erklären“, sagte sie leise. „Bei einem Kind hört man nicht einfach auf weiterzumachen.“ Die Geräusche jenes Tages, erzählte sie, habe sie seither nicht mehr losgelassen: der Todesteppich, der über André gelegt wurde, und die Schreie seines Stiefvaters.

Der Anwalt der Familie kämpft für Schutz
Desiree G.s Anwalt beantragte, dass der Angeklagte den Saal während ihrer Aussage verlassen müsse. Der Gedanke, dem Mann gegenüberzustehen, der ihrem Kind das Leben nahm, war für sie kaum erträglich. Doch das Gericht erklärte dies für nicht möglich.
Stattdessen versprach der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg besondere Vorkehrungen zu treffen: Der Angeklagte werde für Desiree G. nicht sichtbar sein, ihr Lebensgefährte dürfe direkt an ihrer Seite sitzen. „Ihre Mandantin wird geschützt aussagen können“, versicherte er.

Ein Tag, der mehr als ein Gerichtstermin ist
Für Desiree G. geht es nicht nur darum, juristisch Gehör zu finden. Sie möchte, dass André nicht in Vergessenheit gerät.
Sie möchte erzählen, wie er lachte, wie er mit seinem Bruder stritt und sich wieder vertrug, wie begeistert er von Weihnachtsbeleuchtung war. Wie er im Auto fragte, ob er eine Zuckerwatte bekomme. Wie er an diesem letzten Tag seine kleine Hand in ihre gelegt hatte.
Und sie möchte erzählen, wie es sich anfühlt, wenn ein Kind voller Zukunft auf einmal fehlt – einfach nicht mehr da ist, obwohl sein Platz überall sichtbar ist: im Kinderzimmer, auf alten Fotos, in jedem Gedanken.

Ein Prozess als Mahnung
Der Fall von Magdeburg hat Deutschland erschüttert. Nicht nur wegen der brutalen Tat, sondern auch wegen der Frage, wie ein einzelner Mann so viel leidenschaftslos zerstören konnte. Für die Familien der Opfer wird das Urteil – das erst in einigen Monaten erwartet wird – nur ein Teil der Wahrheit liefern. Die Wunde bleibt.
Doch für Desiree G. ist dieser Verhandlungstag ein notwendiger Schritt. Sie will die Stimme ihres Kindes sein. Sie will der Welt sagen, was passiert ist – und sie will, dass es nie wieder geschieht.
Denn am Ende bleibt eine Mutter, die nichts mehr tun kann, als zu sprechen. Für André. Für sich. Und für alle, die durch diese Tat für immer verändert wurden.
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Wandern mit Kindern: Diese Risiken werden oft unterschätzt

Wandern mit Kindern: Diese Risiken werden oft unterschätzt
Eine Wanderung in den Bergen oder durch sommerliche Wälder gehört für viele Familien zu den schönsten gemeinsamen Aktivitäten. Doch gerade bei Kindern und Jugendlichen kann sich der Gesundheitszustand auf Touren schneller verändern, als Eltern es erwarten. Wer die wichtigsten Risikofaktoren kennt und rechtzeitig reagiert, kann die meisten Notfälle vermeiden.

Warum Kinder und Jugendliche beim Wandern besonders gefährdet sind
Der kindliche Organismus reguliert Temperatur, Flüssigkeitshaushalt und Kreislauf anders als der eines Erwachsenen. Kinder schwitzen weniger effektiv, verlieren dadurch schneller die Fähigkeit, Körperwärme abzugeben, und bemerken Erschöpfung oder Durst häufig erst spät. Jugendliche wiederum überschätzen ihre eigene Leistungsfähigkeit gerade in der Pubertät oft – ein Faktor, der bei längeren oder anspruchsvolleren Touren zum Risiko werden kann.

Die häufigsten Gefahren auf Wandertouren
- Hitzschlag und Überhitzung: Besonders bei direkter Sonneneinstrahlung ohne ausreichend Schatten oder Pausen.
- Dehydrierung: Kinder trinken von sich aus oft zu wenig, gerade wenn sie im Spiel oder Wanderfluss abgelenkt sind.
- Unterzuckerung: Lange Anstiege ohne regelmäßige, energiereiche Pausen können besonders bei Kindern schnell zu Kreislaufproblemen führen.
- Plötzliche Wetterumschwünge: Gewitter, Temperaturstürze oder Nebel entstehen im Gebirge oft innerhalb kurzer Zeit.
- Absturz- und Stolpergefahr: Steiniges, unwegsames oder nasses Gelände wird von Kindern häufig unterschätzt.
- Unterkühlung: Auch im Sommer kann es in höheren Lagen oder bei Regen schnell kühl werden.

Warnsignale erkennen: Wann Eltern aufmerksam werden sollten
Der kindliche Körper zeigt Warnsignale oft subtiler als der eines Erwachsenen. Eltern und Begleitpersonen sollten besonders auf folgende Anzeichen achten:
- Ungewöhnliche Blässe oder gerötetes, überhitztes Gesicht
- Klagen über Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit
- Auffällige Erschöpfung, Wortkargheit oder Antriebslosigkeit
- Zittern, kalter Schweiß oder unsicherer Gang
- Nachlassende Reaktionsfähigkeit auf Ansprache
Wichtig: Diese Symptome sollten nie mit dem Argument „wir sind gleich da“ ignoriert werden – gerade in unwegsamem Gelände kann sich ein Zustand innerhalb weniger Minuten deutlich verschlechtern.

Richtig handeln im Notfall
- Sofort anhalten und die Situation einschätzen – bei ersten Anzeichen von Erschöpfung, Schwindel oder Überhitzung nicht weitergehen.
- Schatten und kühlere Umgebung aufsuchen, wenn möglich, und beengende Kleidung öffnen.
- Kleine Mengen Wasser anbieten, jedoch nicht hastig große Mengen auf einmal, um den Kreislauf nicht zusätzlich zu belasten.
- Notruf wählen (112), sobald sich der Zustand nicht rasch bessert oder Bewusstseinseintrübung auftritt – in Deutschland ist die Nummer auch in vielen abgelegenen Bergregionen erreichbar.
- Standort so genau wie möglich angeben: markante Wegpunkte, GPS-Koordinaten über das Smartphone oder Notfall-Apps wie die „SOS-EU-ALP“-App erleichtern die Bergrettung erheblich.
- Bei Bewusstlosigkeit oder fehlender Atmung sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bis Rettungskräfte eintreffen.

Vorbeugung: So wird die Familienwanderung sicherer
- Route dem Leistungsniveau des jüngsten Familienmitglieds anpassen, nicht dem der Erwachsenen.
- Ausreichend Wasser und energiereiche Snacks mitführen und regelmäßig aktiv zu Trinkpausen auffordern, statt auf Durstgefühl zu warten.
- Wettervorhersage vor Tourbeginn prüfen und bei Gewitterwarnung die Route verschieben oder verkürzen.
- Sonnenschutz nicht vergessen: Kopfbedeckung, Sonnencreme und leichte, atmungsaktive Kleidung.
- Feste, passende Schuhe statt offener Sandalen oder ungeeigneten Freizeitschuhen.
- Handy mit vollem Akku und Offline-Kartenmaterial für Bereiche ohne Netzempfang mitführen.
- Realistische Pausenplanung: Lieber häufiger kurz pausieren als seltene, lange Rastzeiten einplanen.

Reiseapotheke für Wandertouren
Eine kleine Grundausstattung gehört in jeden Wanderrucksack: Pflaster und Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, eine Rettungsdecke, ausreichend Wasser sowie bei bekannten Vorerkrankungen die entsprechenden Notfallmedikamente. Bei Touren in entlegenen Regionen empfiehlt sich zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung mit Bergungs- und Rettungskostenschutz.

Fazit: Aufmerksamkeit ist der beste Schutz
Die überwiegende Mehrheit der Familienwanderungen verläuft ohne Zwischenfälle. Dennoch zeigen wiederkehrende Rettungseinsätze in Wander- und Bergregionen, wie schnell sich der Zustand von Kindern verändern kann. Wer Warnsignale ernst nimmt, die Tour realistisch plant und im Ernstfall besonnen reagiert, schützt die ganze Familie – und kann den gemeinsamen Ausflug in die Natur unbeschwerter genießen.
Themen: Wandern mit Kindern, Familienwanderung, Erste Hilfe, Bergrettung, Hitzschlag
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